Prostata MRT

Die multiparametrische Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspintomographie) der Prostata mit einem 3 Tesla-MRT stellt derzeit die modernste Diagnostik der Prostata dar. Die MRT hat sich zur Abklärung von Prostataveränderungen in den letzten Jahren neben der digitalen-rektalen Tastuntersuchung (DRU), dem transrektalen Ultraschall und der Bestimmung des Tumormarkers PSA im Blut als viertes ergänzendes Diagnoseverfahren entwickelt und hat eine Nachweisempfindlichkeit von bis zu 90%.

Wann wird eine Prostata-MRT durchgeführt?

Zur Tumorsuche

  • Bei erhöhtem, auffälligem oder steigendem PSA-Wert und/oder familiärer Belastung ohne vorherige Biopsie
  • Nach erfolgter, aber negativer transrektaler Ultraschallbiopsie (TRUS-PE) bei weiterhin erhöhten, auffälligen oder steigenden PSA-Werten

Zur Beurteilung der Tumorausbreitung (Staging):

  • Wurde über eine Biopsie bereits ein Prostatakarzinom gesichert oder zufällig gefunden, dann kann die MRT zur Beurteilung der Ausdehnung, Aggressivität oder auch zum Ausschluss von weiteren Tumorherden durchgeführt werden, da sie die beste Untersuchung ist, um diese Fragestellungen zu beurteilen und so die optimale Therapie zu planen (z.B. Operation, Bestrahlung)

(der Abstand zur Biopsie sollte möglichst mindestens 6 Wochen betragen)

Zur Verlaufskontrolle bei bekanntem Niedrig-Risiko-Karzinom :

  • Bekanntes niedrig-gradiges Prostatakarzinom (Gleason-Score 6 oder ggf. 7a) vor ggf. erneuter Biopsie (Aktive Überwachung)

Bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom-Rezidiv:

  • Im Falle eines erneuten PSA-Anstieges nach radikaler Prostataentfernung, Strahlentherapie, lokaler Bestrahlung/Seeds, etc.

Bei auffälligen klinischen Befunden:

  • wie z.B. eine unklare Hämatospermie oder auch die Abklärung eines unklaren Ultraschallbefundes

Als Vorsorgeuntersuchung:

  • in Prostata-Untersuchung im 3 Tesla- Scanner ist auch als Vorsorgeuntersuchung sinnvoll, da nicht alle Karzinome zu tasten sind und nicht bei allen Tumoren der PSA-Wert positiv ist, die Karzinome unterentdeckt aber vorhanden sind.

Was wird untersucht?

Die multiparametrische MRT (mp-MRT) der Prostata kombiniert standardmäßig hochauflösende anatomische mit zwei funktionellen Sequenzen.
Hochauflösende T1- sowie T2-gewichteten Sequenzen werden zur exakten anatomischen Darstellung der Prostata und der angrenzenden Beckenstrukturen verwendet. Als funktionelle Sequenzen werden die diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI) zur Darstellung der Zelldichte und die dynamischen kontrastmittelverstärkten T1-Sequenzen (DCE) zur Darstellung der Durchblutung routinemäßig eingesetzt. Nur eine Kombination aus allen drei Pfeilern (T2, DWI und DCE) kann eine gute, qualitative und zuverlässige Prostatadiagnostik garantieren.

Wir führen die Untersuchung nach den ESUR-Leitlinien (Europäische Gesellschaft für Urologische Radiologie) durch und befunden nach einem für die multiparametrische MRT entwickelten strukturierten Befundungsschema (PI-RADS _V2). Diese Vorgehensweise ermöglicht gegebenenfalls eine gezielte Biopsie eines tumorverdächtigen Areales, während die routinemäßig durchgeführten Stanzbiopsien nur etwa 1% des Organes ungezielt abdecken.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Untersuchung wird in bequemer Rückenlage durchgeführt. Die Untersuchung dauert ca. 30 min.

Die Prostatauntersuchungen werden ausschließlich an unserem modernen 3 Tesla MRT durchgeführt. Die hohe Feldstärke des Magneten ermöglicht gegenüber den älteren 1,5 Tesla-Systemen den Verzicht auf das Einbringen einer speziellen Spule in den Enddarm. Die hohe Bildqualität wird bei uns durch eine leichte, von außen auf das Becken gelegte Spule sichergestellt.

Ein weiterer Vorteil der modernen Anlage: Der relativ kurze Tunnel des Kernspintomographen ist an den Enden konisch zugeschnitten und wird in Verbindung mit einer Tunnelöffnung von 70 cm besonders von Übergewichtigen und von Patienten mit Platzangst als sehr angenehm empfunden.

Vor der Untersuchung müssen die Kreatininwerte bekannt sein, um ggf. Kontrastmittel geben zu können.

Für einen reibungslosen und termingerechten Untersuchungsablauf bitten wir daher die Patienten, am Untersuchungstag die entsprechenden Werte mitzubringen, wobei diese nicht älter als drei Monate sein dürfen.

Was muss ich als Patient vor der Untersuchung beachten?

Bis zu vier Stunden vor der Untersuchung nüchtern bleiben. Kurz vor der Untersuchung sollten Sie den Darm und Blase entleeren. Eine Gewebeprobe der Prostata sollte mindestens 6 Wochen vergangen sein, da es durch die Einblutung zu Artefakten kommen kann.

Da die sexuelle Aktivität deutlichen Einfluss auf die Bildgebung und ihre Interpretation hat, scheint es sinnvoll, zumindest 4 Tage vor einer geplanten Untersuchung enthaltsam zu sein.

Welche Medikamente oder Kontrastmittel werden gegeben?

Die natürliche Darmbewegung stört die Bilderstellung im MRT. Deshalb bekommt jeder Patient für die Untersuchung ein Medikament (Buscopan® oder alternativ Glucagon®) in die Venen gespritzt, sofern nichts gegen die Verabreichung spricht.

Eine Kontraindikation für Buscopan® besteht für Patienten mit erhöhtem Augeninnendruck („Grüner Star“) oder Herzrhythmusstörungen.

Da es zudem die Pupillenreaktion und das Scharfstellen des Auges beeinträchtigt, sollten ambulante Patienten im Voraus eine Abholmöglichkeit einplanen, da sie für etwa 6-8 Stunden nicht am Straßenverkehr teilnehmen dürfen.

Bei bestehendem Diabetes mellitus muss auf den Einsatz von Glucagon® verzichtet werden.

Für die Untersuchung der Prostata wird dem Patienten während der Untersuchung ein Standard-MRT-Kontrastmittel (Gadolinium) gespritzt. Dieses Kontrastmittel ist generell sehr gut verträglich und führt nur in sehr seltenen Einzelfällen zu allergischen Reaktionen.

Welche Patienten dürfen nicht untersucht werden?

Patienten, die Träger eines Herzschrittmachers, einer Innenohrprothese oder implantierten Medikamentenpumpe sind können in der Regel nicht mit der MRT untersucht werden. Bei Patienten mit einer künstlichen Herzklappe kann die Untersuchung nur bei ausdrücklich für 3 Tesla MRT tauglichen, modernen Klappen durchgeführt werden. Die Tauglichkeit ist meist in dem Implantatpass ausgewiesen, diesen sollten Sie bitte bei der Anmeldung für einen Termin vorliegen haben.

Klären Sie bitte vor dem Untersuchungstermin ab, ob ein nicht MR fähiges Implantat vorhanden ist und bringen Sie den entsprechenden Ausweis mit zur Untersuchung.

Wie kann ich eine Prostata MRT Untersuchung bekommen?

Die Indikation zu einer MRT-Untersuchung sollte immer von einem ärztlichen Kollegen (am besten Urologe oder Hausarzt) gestellt bzw. befürwortet werden.

Für gesetzlich versicherte Patienten bestehen Abrechnungsprobleme, da die Untersuchung gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen nicht abrechnungsfähig ist.
Daher können wir das Prostata-MRT für gesetzlich versicherte Patienten nur als Selbstzahler- oder individuelle Gesundheitsleistung (IGEL) anbieten. Die Kosten für eine MRT der Prostata liegen bei ca. 400 Euro.